Workshop-Reihe "Das Ahrtal im Wiederaufbau"
Seit November 2024 führen wir zwei bis dreimal pro Jahr einen Praxis-Workshop durch, um im engen Austausch mit den Menschen im Ahrtal zu bleiben. So können wir unsere Forschung möglichst gut an den Bedarfen der Region ausrichten und zeitnah über unsere Zwischenergebnisse berichten.
Organisatorisch und finanziell unterstützt wird die Veranstaltungsreihe durch das Kompetenznetzwerk „Wissenschaft für den Wiederaufbau“ (WfdW) der Hochschule Koblenz sowie durch den Verein Zukunftsregion Ahr e.V.
Gemeinschaftliche und klimafreundliche Wohnprojekte
29. April 2026 - Hochschule Koblenz (Standort Remagen)
Einen spannenden Einstieg in das Thema lieferten die Impuls-Vorträge zu alternativen Wohnformen von Hans-Dieter Villmow aus der Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinschaftliches Wohnen Rheinland-Pfalz und zum Best-Practice-Beispiel eines großen Wohnprojekts vom Wohnsinn Aachen e.V., in das der Geschäftsführer Frank Renkewitz einen Einblick ermöglichte.
In der zweiten Hälfte der Veranstaltungen sammelten und diskutierten daraufhin vier thematische Kleingruppen die Potentiale und Hürden der verschiedenen Wohnformen speziell für das Ahrtal. Insbesondere Mehrgenerationenwohnprojekte wurden als Mittel gegen Altersarmut und Vereinsamung stark gemacht. Als besonders schwierig empfinden die lokalen Initiativen die Suche nach passenden Flächen, Finanzierungsmöglichkeiten und damit verbundene bürokratische Prozesse. Die beiden Teilnehmenden der Investitions- und Strukturbank RLP konnten hierzu direkt vor Ort wertvolle Informationen liefern und Fördermöglichkeiten aufzeigen.
Gleichzeitig wurde aber auch diskutiert, ob man gemeinschaftlichen Wohnprojekten durch eine Anpassung der bestehenden Regelungen und Förderrichtlinien noch besser auf den Weg helfen könnte. Zudem bedarf es weiterer Vernetzungsmöglichkeiten zwischen allen beteiligten Akteuren, um die gesammelten Ideen weiter auszuarbeiten.
Begegnungsstätten im Wiederaufbau
03. November 2025 - Hochschule Koblenz (Standort Remagen)
Im Rahmen eines sogenannten Gallery Walks wurde zunächst eine Bestandsaufnahme der Begegnungsstätten im Ahrtal durchgeführt. Dabei sammelten die Teilnehmenden auf Stellwänden eine erste Übersicht über bestehende Einrichtungen. Insgesamt konnten so 43 Begegnungsstätten von Sinzig bis Ahrdorf identifiziert werden und erste Tendenzen in Bezug auf die Verteilung von Standorten, Trägerschaften und Zielgruppen beobachtet werden.
SOZIAHR führt derzeit eine darauf aufbauende strukturierte Abfrage aller identifizierten Begegnungsstätten durch, die belastbare Zahlen zu spezifischen Angeboten, Ehrenämtlern und Unterstützungsbedarfen liefern soll. Durch eine breite Streuung der Abfrage im Praxis-Netzwerk von SOZIAHR wird zudem angestrebt, weitere, bislang unentdeckte Begegnungsstätte in die Übersicht aufnehmen zu können. Die Ergebnisse dieser Bestands- und Bedarfsanalyse werden öffentlich aufbereitet und können als Datenbasis für das im Workshop vorgeschlagene digitale Lotsensystem dienen.
In den vertiefenden Arbeitsgruppen konnten sechs zentrale Ziele für die Förderung von Begegnungsstätten im Ahrtal abgeleitet werden, die nicht nur die Begegnungsstätten selbst, sondern auch öffentliche Stellen und Unternehmen als relevante Akteure einbeziehen.
11. Juni 2025 - Hochschule Koblenz (Standort Remagen)
Verschiedene Institutionen kamen zu einem intensiven Austausch zusammen, um gemeinsam Strategien zur Kooperation und Koordination von Hilfsorganisationen und Vereinen sowie der Förderung des Ehrenamts zu entwickeln.
Ein zentraler Vorschlag daraus ist die Gründung eines übergeordneten Bündnisses aller Hilfsorganisationen im Ahrtal. Dieses soll u.a. der gemeinsamen Erarbeitung eines Leitfadens für Akutsituationen dienen, in dem Zuständigkeiten, Ressourcen und Dienstleistungen den verschiedenen Akteuren klar zugewiesen sind, um im Krisenfall effizient handeln zu können.
Darüber hinaus wurden weitere konkrete Lösungsansätze gesammelt, wie eine temporäre Überführung des Ehrenamts ins Hauptamt im Krisenfall, Info-Broschüren zu ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Region für Neu-Rentner:innen und ein Ausbau von Weiterbildungsangeboten im sozialen Bereich sowie die Förderung der Ehrenamtsschule.
Die Teilnehmenden appellierten auch für mehr Wertschätzung und Sichtbarkeit der (ehrenamtlichen) Arbeit im sozialen Bereich – insbesondere seitens Politik und Verwaltung.
18. März 2025 - Hochschule Koblenz (Standort Remagen)
Bei diesem Workshop wurden Problembereiche und Lösungsansätze zur besseren Versorgung von vulnerablen Gruppen im Wiederaufbau im Ahrtal diskutiert.
Pascal Koffer berichtete von seinen Erfahrungen in der psychosozialen Notfallversorgung nach der Flut und der Erkenntnis, dass diese u.a. zu einer geringeren Belastung und einem positiven Umgang mit Stresssituationen bei Betroffenen führt. Frauke Weller vom Wassersportverein Sinzig e.V. gab interessante Einblicke in das Inklusionsprojekt WassAHR, in dem insbesondere Kindern mit Behinderungen positive Erfahrungen mit Wasser vermittelt werden.
Gefordert wird eine Ausweitung der finanziellen und ideellen Unterstützung von psychosozialen Hilfs- und Beratungsangeboten sowie Begegnungsstätten und sozialen Netzwerken. Zudem ist eine zentrale Anlaufstelle der Verwaltung für sämtliche Belange der regionalen Hilfsorganisationen und Vereine erklärter Wunsch der Teilnehmer:innen.
18. November 2024 - Hochschule Koblenz (Standort Remagen)
Impuls-Vorträge von Armeen Kolians vom Arbeiter-Samariter-Bund sowie von Frank Rost und Claudia Rieckhoff, beide vom Traumahilfezentrum, gaben zunächst einen Einblick in aktuelle Herausforderungen für Menschen im Ahrtal drei Jahre nach dem Flutereignis.
In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Anschluss die identifizierten vier Problemfelder: Das Wohlergehen von Privatpersonen, die Unterstützung vulnerabler Gruppen, der soziale Zusammenhalt sowie die Rahmenbedingungen für Hilfsorganisationen und Vereine. Schwerpunktmäßig wurde dabei der Frage nachgegangen, welche konkreten nächsten Schritte für einen resilienten und sozialgerechten Wiederaufbau erfolgen müssen und wie sozialwissenschaftliche Forschung dabei unterstützen kann.
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