Wirtschaftswissenschaftlich

Auswirkungen auf Einkommens- und Vermögensungleichheiten

Das ökonomische Arbeitspaket von SOZIAHR untersucht, wie sich die Flut im Ahrtal, die anschließenden Versicherungsleistungen, die staatlichen Hilfen und der Wiederaufbau mittel- und langfristig auf die wirtschaftliche Situation der betroffenen Menschen ausgewirkt haben. Im Mittelpunkt stehen Fragen von Einkommen, Vermögen, Arbeit, Wohnen, Umzug, Versicherungen, Fördermitteln und sozialer Ungleichheit.

Steckbrief

Fachdisziplin(en)

Volkswirtschaftslehre


Leitung

Jun.-Prof. Dr. Julia Mink
Jun.-Prof. Hanna Schwank, PhD

Ziel

Empfehlungen zur wirtschaftlichen Bewältigung von Flutkatastrophen unter besonderer Berücksichtigung sozialer Ungleichheiten

Wie wirken sich die Flut selbst sowie ihre Bewältigung durch Versicherungsleistungen, staatliche Hilfen und Wiederaufbaumaßnahmen mittel- und langfristig auf die wirtschaftliche Situation der Betroffenen und die Verteilung wirtschaftlicher Ressourcen aus, und welche Faktoren fördern oder behindern die wirtschaftliche Erholung?

  • Folgen der Flut und des Wiederaufbaus für Einkommen, Vermögen, Arbeit, Selbstständigkeit, Wohnen und Umzüge sowie Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen
  • Bedeutung von Versicherungsleistungen, staatlichen Hilfen, privaten Rücklagen und Wiederaufbauentscheidungen dafür, ob wirtschaftliche Ungleichheiten verstärkt oder abgemildert werden
  • Bevölkerungsbefragung fünf Jahre nach der Flut mit retrospektiver Erhebung der wirtschaftlichen und sozialen Situation unmittelbar vor und nach der Flut sowie Erfassung der aktuellen Situation; erneute Befragung rund sieben Jahre nach der Flut zur weiteren Entwicklung
  • Ökonometrische Analyse der mittel- und langfristigen Entwicklungen durch 
    Vergleiche unterschiedlich stark betroffener Haushalte mithilfe der Differenz-von-Differenzen-Methode
  • Verknüpfung der ökonometrischen Ergebnisse mit den Dokumentenanalysen und weiteren qualitativen Erkenntnissen der anderen Teilprojekte
Wirtschaftspodcast: Was kosten Fluten langfristig wirklich?
Jun.-Prof. Hanna Schwank im Interview bei "Der Wirtschaftspodcast" von ECONtribute. Die Projektleiterin von SOZIAHR erläutert, welche Kosten Flutereignisse verursachen. Dabei richtet sie einen besonderen Blick auf die Ahrtalflut.

Forschungsziele

Wir möchten verstehen, wer besonders stark betroffen war, welche Haushalte sich wirtschaftlich schneller erholen konnten und welche Gruppen auch Jahre nach der Flut noch mit den Folgen zu kämpfen haben. Dabei geht es nicht nur um die unmittelbaren Schäden durch das Hochwasser. Uns interessiert auch, wie sich die Flut auf Erwerbsarbeit, Selbstständigkeit, Wohnentscheidungen, finanzielle Sicherheit und das Vertrauen in staatliche Unterstützung ausgewirkt hat. Ebenso untersuchen wir, welche Rolle Versicherungsleistungen, staatliche Hilfen, private Rücklagen, Wiederaufbauentscheidungen und Verwaltungserfahrungen für die wirtschaftliche Erholung gespielt haben. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Gruppen, die in bisherigen Studien oft weniger sichtbar sind, zum Beispiel Selbstständige, kleine Betriebe, Mieterinnen und Mieter sowie Haushalte mit begrenzten finanziellen Rücklagen.

Beispiel aus dem Fragebogen
© Julia Noppeney / Uni Bonn

Methodik

Ahrtal Flutkarte
© Quelle: Copernicus Emergency Management Service (CEMS). 2021. Rapid MappingActivation EMSR517: Flood in Western Germany (Ahr Valley). https://mapping.emergency.copernicus.eu/activations/EMSR517/.Accessed: 2025‐09‐06.

Methodisch arbeiten wir mit ökonometrischen Verfahren. Das bedeutet, dass wir statistische Methoden nutzen, um Entwicklungen von Personen und Haushalten möglichst genau miteinander zu vergleichen. Ein zentrales Verfahren ist ein Vorher-Nachher-Vergleich mit einer Vergleichsgruppe, in der Forschung als „Differenz-von-Differenzen-Methode“ bezeichnet.

Vereinfacht gesagt vergleichen wir, wie sich stark betroffene Haushalte seit der Zeit vor der Flut entwickelt haben, und setzen diese Entwicklung ins Verhältnis zu Haushalten, die weniger oder nicht direkt betroffen waren. Dafür erheben wir in der Befragung Informationen darüber, wie die wirtschaftliche und soziale Situation der Haushalte kurz vor der Flut war, wie sie sich fünf Jahre nach der Flut darstellt und wie sie sich in einer zweiten Befragung rund sieben Jahre nach der Flut weiterentwickelt. So können wir besser unterscheiden, welche Veränderungen wahrscheinlich mit der Flut und der anschließenden wirtschaftlichen Belastung durch den Wiederaufbau zusammenhängen und welche Veränderungen eher allgemeine wirtschaftliche Entwicklungen widerspiegeln.

Ausblick

Die Ergebnisse sollen zeigen, ob und in welcher Weise die Flut und der Wiederaufbau bestehende Ungleichheiten verstärkt oder verringert haben, welche Rolle Versicherungen, Fördermittel und Verwaltungserfahrungen für die Erholung spielen und welche Maßnahmen Menschen nach einer Katastrophe wirksam unterstützen können. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für Politik und Verwaltung zu entwickeln, damit Wiederaufbauprozesse in Zukunft sozial gerechter, wirtschaftlich wirksamer und klimaresilienter gestaltet werden können.

Leitung des Teilprojekts

Avatar Mink

Jun.-Prof. Dr. Julia Mink

Avatar Schwank

Jun.-Prof. Hanna Schwank Ph.D

Gefördert von

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© Stiftung Mercator

In Kooperation mit

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