Politisch

Multi-Level-Governance im Klimawandel

Die Flutkatastrophe vom Juli 2021 markiert eine Zäsur in der Entwicklung des Ahrtals. Sie hat nicht nur immense materielle Schäden verursacht, sondern bestehende Infrastrukturen, Versorgungssysteme und politische Routinen grundlegend infrage gestellt. Zugleich wurde der Wiederaufbau von Beginn an als Gelegenheitsfenster für einen nachhaltigen und klimaresilienten Neuaufbau verstanden – von lokalen Akteuren ebenso wie von der Landes- und Bundespolitik. Dieses Arbeitspaket wird vom Wuppertal Institut geleitet.

Das Wuppertal Institut

Das Wuppertal Institut ist ein umsetzungsorientiertes, auf nationaler und internationaler Ebene arbeitendes Forschungsinstitut mit Wurzeln in Nordrhein-Westfalen und globalem Horizont. Die Forschenden entwickeln wissenschaftlich fundierte Lösungen für ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Dabei arbeitet das Institut eng mit Stakeholdern zusammen, um Transformationen hin zu einer nachhaltigen Welt aktiv mitzugestalten.

Steckbrief

Fachdisziplin(en)

Stadt- und Regionalentwicklung, Politikwissenschaft

Leitung

Dr. Steven März

Ziel

Politik- und Praxisempfehlungen für einen klimaresilienten und transformativen Wiederaufbau (in ausgewählten Handlungsfeldern)

Inwieweit hat der Wiederaufbau neue sozial-ökologische Entwicklungspfade angestoßen? Welche transformativen Kapazitäten, Pfadabhängigkeiten und politischen Rahmenbedingungen auf verschiedenen Governance-Ebenen fördern oder hemmen die Transformation?

  • Zusammenspiel von Klimaschutz und Klimaanpassung im Wiederaufbau
  • Multi-Level-Governance und politische Rahmenbedingungen
  • Fördernde und hemmende Faktoren für einen klimaresilienten Wiederaufbau
  • Dokumenten- und Akteursanalyse
  • Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik (Ministerien), Kommunalverwaltung und Praxis
  • Partizipative Formate der Zukunfts- und Transformationsforschung
Statement des Wuppertal Instituts zum 5. Jahrestag der Ahrtalflut
Fünf Jahre nach der Ahrtalflut: Von der Gefahrenabwehr zur vorsorgenden Sicherheit.Ein Statement von Constanze Schmidt und Anja Bierwirth

Forschungsziele

Rund fünf Jahre nach der Flut stellt sich daher die Frage, inwieweit dieses Versprechen eines „Build Back Better“ eingelöst werden konnte: Wo steht der Wiederaufbau heute? Wurde vor allem der Status quo vor der Flut wiederhergestellt, oder wurden tatsächlich neue sozial-ökologische Entwicklungspfade angestoßen? Wie lassen sich die Entwicklungen erklären?

Diesen Fragen widmet sich das  Teilprojekt „Multi-Level-Governance im Klimawandel“ des Wuppertal Instituts im Verbundprojekt SOZIAHR. Es untersucht zwei ausgewählte Handlungsfelder des Wiederaufbaus genauer – darunter den Wiederaufbau der Wärmeversorgung mit besonderem Fokus auf den Aufbau von Wärmenetzen. Das zweite Handlungsfeld wird im weiteren Projektverlauf festgelegt. Analysiert wird, welche transformativen Kapazitäten der Region den Wiederaufbau befördert haben, welche Pfadabhängigkeiten ihn begrenzen und welche landes- und bundespolitischen Regelungen innerhalb einer Multi-Level-Governance förderlich oder hinderlich wirkten.

komp
© Julia Noppeney
Zerstörte Infrastruktur im Ahrtal
© Susanne Bell

Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, ob Klimaschutz und Klimaanpassung im Wiederaufbau gemeinsam gedacht wurden. Am Beispiel klimaneutraler Wärmeversorgung wird etwa untersucht, ob Klimaschutzmaßnahmen zugleich dazu beitragen, hochwasser- und starkregenresiliente, versorgungssichere und sozial tragfähige Strukturen aufzubauen oder es hier zu Zielkonflikten kommt. Damit fragt das Teilprojekt nicht nur, ob Transformation stattfindet, sondern auch, welche Qualität diese Transformation hat. 

Ziel des Teilprojekts ist es, den bisherigen Wiederaufbau in diesen zwei Handlungsfeldern genauer hinsichtlich förderlicher und hinderlicher Faktoren zu analysieren, um darauf aufbauend fundierte Politik- und Praxisempfehlungen für den Umgang mit Klimawandelfolgen zu geben. Die Ergebnisse sollen aufzeigen, wie Klimaresilienz stärker in politischen und administrativen Strukturen verankert werden kann und welche Governance-Ansätze Kommunen und Regionen dabei unterstützen, auf zukünftige Krisen flexibel und handlungsfähig zu reagieren.
Die Erkenntnisse aus dem Ahrtal sollen dabei nicht nur zur regionalen Entwicklung beitragen, sondern auch Impulse für andere vom Klimawandel betroffene Regionen liefern.

Methodik

Das Teilprojekt verfolgt einen transdisziplinären Forschungsansatz, der auf wechselseitiges Lernen zwischen Wissenschaft und Praxis setzt. Um dabei praxisnahes Wissen zu generieren, verknüpfen wir klassische Analysen mit Methoden der Transformationsforschung:

  • Dokumenten- und Akteursanalysen zur Untersuchung von Planungsunterlagen, Machbarkeitsstudien und Finanzierungskonzepten ausgewählter Wiederaufbauprojekte.
  • Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung, Ministerien und Praxis, um hemmende und fördernde Faktoren der Zusammenarbeit zu identifizieren.
  • Partizipative Formate der Zukunfts- und Transformationsforschung, um gemeinsam mit Praxisakteurinnen und -akteuren Ideen für ein anpassungsfähigeres und lernorientiertes Policy-Making zu entwickeln.
Symbolbild: Interview
© Maja Leven / Uni Bonn

Leitung des Teilprojekts

Geleitet wird das Teilprojekt von Dr. Steven März. Er ist Senior Researcher im Forschungsbereich Stadtwandel und Experte für nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung mit einem besonderen Forschungsschwerpunkt auf Policy-Analysen zur Wohngebäudetransformation, Energiearmut und kooperativer Wärmeversorgung. Das Projektteam wird ergänzt von Constanze Schmidt und Lynn Verheyen. Constanze ist als wissenschaftliche Referentin für die strategische Themenfeldentwicklung Klimaanpassung tätig und koordiniert das Fachforum Klimaanpassung NRW; sie bringt umfassendes Wissen zur Verknüpfung von Klimafolgenanpassung mit Klimaschutzmaßnahmen in die Projektarbeit ein. Lynn ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Stadtwandel. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Analyse kommunaler Transformationsprozesse im Kontext sozial-ökologischer Herausforderungen. Zudem bringt sie umfassende Erfahrungen in der qualitativen Sozialforschung in die Projektarbeit ein.

Avatar März

Dr. Steven März

Avatar Schmidt

Constanze Schmidt

Avatar Verheyen

Lynn Verheyen

Gefördert von

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© Stiftung Mercator

In Kooperation mit

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