Geographisch

Synergieeffekte von sozialer Gerechtigkeit und Klimaresilienz

Soziale und kulturelle Rahmenbedingungen können politische Entscheidungen sowie individuelle Einstellungen und Verhaltensweisen zum Thema Klimaschutz und Klimaanpassung in einer Region ebenso beeinflussen wie rechtliche, politische und ökonomische Faktoren. Aus diesem Grund möchten wir mit Bürgerinnen und Bürgern aus dem Ahrtal in einen produktiven Austauschprozess über die wichtigsten sozialen Herausforderungen kommen, die im Zuge des Wiederaufbaus relevant sind. Davon ausgehend versuchen wir, Synergieeffekte von sozialer Gerechtigkeit und Klimaresilienz herauszuarbeiten bzw. etwaige Zielkonflikte aufzudecken und aufzulösen. 

Steckbrief

Fachdisziplin(en)

Geographie & Soziologie

Leitung

Prof. Dr. Kathrin Hörschelmann & Susanne Bell

Ziel

Unterstützung von Lösungsansätzen aus der Praxis heraus

Wie können praktische Lösungsansätze für soziale Herausforderungen im Wiederaufbau so unterstützt werden, dass alle relevanten Interessen ausreichend berücksichtigt und effektive Verbesserungen erreicht werden?

  • Soziale Herausforderungen im Ahrtal nach der Flutkatastrophe analysieren
  • Konstruktiven Austausch zwischen relevanten Akteursgruppen im Ahrtal fördern
  • Systemische Lösungsansätze gemeinsam ausarbeiten und in die Umsetzung bringen
  • Partizipative Workshops mit Expertinnen und Experten aus der Region
  • Qualitative Analyse der Ergebnisse und Rückspielen der Ergebnisse in die Workshops
  • Ggf. begleitende quantitative Erhebungen (bspw. aktuell laufende Kartierung von Begegnungsorten)
Belgischer Rundfunk berichtet über individuelle Flutbewältigung
Der Belgische Rundfunk hat die Projektkoordinatorin Susanne Bell für die dortige Themenwoche zum fünften Jahrestag der Flut interviewt. Der Beitrag illustriert den lebensnahen Forschungsansatz, den sie während ihrer Masterarbeit entwickelt und mit ins SOZIAHR-Projekt getragen hat. 

Methodisches Vorgehen und Datenerhebung

Konkret organisieren wir seit November 2024 regelmäßige partizipative Stakeholder-Workshops, zu denen wir gezielt Vertreter:innen aus dem Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen, aus der Zivilgesellschaft, aus Politik und Verwaltung sowie der Sozialwissenschaft einladen. Die spezielle Themensetzung und Ausgestaltung der einzelnen Veranstaltungen wird dabei nicht vorab festgelegt, sondern entsteht laufend aus dem Prozess heraus, um möglichst gut auf die Bedürfnisse der Praxis eingehen zu können.

Entscheidend für den Prozess ist, dass wir im Rahmen dieser Workshops Personen aus ganz unterschiedlichen Bereichen miteinander ins Gespräch bringen, um Netzwerke aufzubauen, das Vertrauen zwischen Institutionen zu stärken und Handlungsansätzen auf den Weg zu helfen, die von allen Seiten gut durchdacht wurden. So gewinnen wir nicht nur ein besseres systemisches Verständnis der realen Komplexität unserer Forschungsthemen, sondern melden die laufend gewonnenen Erkenntnisse aus allen Teilprojekten zeitnah in alle relevanten Bereiche der Praxis zurück. 

Begleitet wird dieser öffentliche Beteiligungsprozess durch nicht-öffentliche Rahmengespräche, vertiefende Interviews sowie die Teilnahme an vergleichbaren fremdorganisierten Veranstaltungen wie den Informations- und Diskussionsformaten des Vereins Zukunftsregion Ahr e.V. oder an Aktivitäten rund um den Jahrestag der Flut. Insbesondere die Projektkoordinatorin und Workshop-Verantwortliche Susanne Bell ist so regelmäßig vor Ort unterwegs und sorgt dafür, dass die Kommunikation zwischen dem Projektteam von SOZIAHR und den Menschen im Ahrtal in beide Richtungen gewinnbringend verläuft. 

Dabei liegt der Fokus in der ersten Projektphase (2024-2026) eher auf der explorativen Datenerhebung, verschiebt sich dann aber zunehmend hin zu einer aktiven Mitgestaltung der regionalen Aushandlungsprozesse. Ab 2027 wird Susanne Bell den Wissenstransfer der dahin gewonnen Erkenntnisse aus den Workshops, den begleitenden Gesprächen sowie der ersten Umfragewelle aktiv vorantreiben und bei der Umsetzung der in den Workshops erarbeiteten Lösungsansätzen unterstützen. 

Forschungsziele

Gleichzeitig wird der Prozess auch spannende Erkenntnisse zu grundlegenden sozialwissenschaftlichen Fragestellungen generieren und Datengrundlage für wissenschaftliche Veröffentlichungen sein. Dabei soll u.a. untersucht werden, wie in dem beschriebenen Prozess alle relevanten Interessen ausreichend berücksichtigt werden können, um Gefühlen der Ausgrenzung und des Abgehängtwerdens sowie einer gesellschaftlichen Spaltung vorzubeugen. Im schlimmsten Fall könnte die Verdrängung legitimer Probleme von benachteiligten Gruppen aus dem öffentlichen Diskurs und aus politischen Zielsetzungen den sozialen Zusammenhalt und damit letztlich auch die gesellschaftliche Basis unserer Demokratie beschädigen. Im besten Fall könnten die Erkenntnisse aus der Situation im Ahrtal dabei helfen, soziale Aushandlungsprozesse sowohl innerhalb der betroffenen Region als auch in vergleichbaren Regionen inklusiver und solidarischer zu gestalten.

Leitung des Teilprojekts

Avatar Bell

Susanne Bell

Teilprojektleiterin
Avatar Hörschelmann

Kathrin Hörschelmann

Teilprojektleiterin

Gefördert von

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© Stiftung Mercator

In Kooperation mit

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